Konzert in Oslo und über den Wolken
Die Frankenthaler Stadtstreicher konzertieren in der Stadtkirche von Holmen (Norwegen), spielen mit dem Orchester der Kulturschule von Asker bei den dortigen Stadtfestspielen und kommen hoch hinaus bei einem Auftritt im Flugzeug.Die diesjährige Konzertreise brachte die Stadtstreicher der Frankenthaler Musikschule unter der Leitung ihrer Dirigentin Cami Hotea-Schulz und des Cellisten Jawor Domischljarski, der den Kontakt herstellte, nach Norwegen. Die Überraschung war groß, als die 15 Streicherinnen und Streicher im Flugzeug begrüßt und aufgefordert wurden, ein Konzert über den Wolken zu geben. Lufthansa ließ nicht locker, bis die Instrumente ausgepackt und über Dänemark zwei Musikstücke gespielt worden waren. Begeistert beklatscht wurden Werke von Marinescu, über dessen langjährigen Wohnort das Flugzeug gerade hinweg flog. In Asker, einer Vorstadt Oslos angekommen, übernahmen die gastgebenden Eltern das letzte Stück der Reise – die für zwei der jungen Musiker über den Oslofjord zu einem eigenen Haus auf einer Insel führte.
Nach einer hellen Nacht erwartete die Musiker der erste Frühlingstag des Jahres in Oslo und eine Stadtbesichtigung in einem Meer von Blüten. Die kurze und intensive Probenarbeit am nächsten Tag wurde mit einem fantastischen Konzert am Abend belohnt, das Gastgeber und Zuhörer schwer beeindruckte. Am darauf folgenden Tag waren es dann die Norweger, die eine große Überraschung bereit hielten: Das gemeinsame Konzert entpuppte sich als regelmäßig stattfindendes Volksschauspiel. Im historischen Stadtkern führten unter freiem Himmel über 200 aufwendig kostümierte Mitwirkende szenisch und musikalisch durch die Geschichte der Stadt – stets begleitet durch das Orchester, das die Frankenthaler an diesem Tag entscheidend verstärkten.
Viele Kontakte wurden auf dieser Reise geknüpft. Die private Unterkunft, die gemeinsamen Orchesterauftritte und das anschließende Fest haben den Grundstein für Freundschaften gelegt, die erhalten bleiben sollen. Am 10. Dezember werden 40 Musiker und Eltern der Kunstschule in Asker zum Gegenbesuch nach Frankenthal aufbrechen. Bis sie am 13. abreisen, wollen sie mit uns unter anderem das Adventskonzert der Musikschule mitgestalten und unbedingt einen Weihnachtsmarkt besuchen.
Nach Oslo in diesem und Turin und Mailand in den vergangen zwei Jahren ist klar, dass die Frankenthaler Stadtstreicher ihrem neuen Namen alle Ehre machen wollen. Doch noch steht das Ziel für das nächste Jahr nicht fest. Über Kontakte, Anregungen und Sponsoren freuen sie sich. Ihr herzlichster Dank gilt der Unterstützung durch die städtische Musikschule Frankenthal und durch den Förderverein „Bund der Freunde“ sowie allen privaten Förderern – aber ganz besonders natürlich ihren Eltern, die die Hauptlast tragen, finanziell wie zeitlich.
Vor der nächsten Reise steht der 9. Landesorchesterwettbewerb, an dem sich die Stadtstreicher in den letzten Tagen angemeldet haben. Vom 10. – 11. Oktober werden sie in Kaiserslautern als Kammerorchester ein anspruchsvolles Programm spielen und hoffen auf Erfolg.
Rückblickend auf die Tage in Oslo antworteten die Teilnehmer nach der Ankunft in Deutschland auf die Frage, welche besonderen Eindrücke sie aus Oslo mitnehmen würden:
„Dass wir im Anschluss nach dem gemeinsamen Konzert so gut ins Gespräch mit den Leuten aus Oslo gekommen sind, das hat mir sehr viel Spaß gemacht“ (Alisa Schimmel, 18).
„Das Konzert! Unser Konzert hat Spaß gemacht - das Schönste war unser Konzert!“ (Anna-Katharina Thoma, 17).
„Die Konzerte waren super und dass Felix und ich das Motorboot steuern durften – und natürlich der Sprung ins kalte Meer! Oslo war auch wunderschön. Es war einfach, ins Gespräch zu kommen“ (Marc Lohse, 17).
„Oslo war einfach super, vor allem die Oper! Und natürlich die außergewöhnlichen Konzerte“ (Felix Jaudes, 14).
„Dass die Gastmutter deutsch sprach und das Konzert über den Wolken“ (Paulina Schick, 13).
„Dass alle gefilmt haben, als wir im Flugzeug Geige gespielt haben“ (Maxi Ghisoiu, 12).
„Die Zeit mit den Gasteltern, auch wenn es für Vegetarier nicht so viel Auswahl beim Essen gab“ (Betty Ghisoiu, 15).
„Dass der Komponist mitgespielt hat, war eher nervig – aber toll war, dass trotz dem starken Wind alles geklappt hat und natürlich das Elchessen“ (Shirin Schulz, 14 – der Komponist des Orchesterwerkes, das die Orchester gemeinsam aufführten, ist Gitarrenlehrer, versuchte sich aber an der Geige).
„Dass es Abends nicht dunkel wurde“ (Leon Scheld, 14 - der auf dem Rückflug zum Entsetzen aller anderen einen unerwarteten, aber souverän gemeisterten Alleinflug hatte).
„Die riesige Fähre – das nächste Mal spielen wir dort im Saloon - wir sind nämlich viel besser als das Orchester dort! Und dass wir wirklich nach Oslo gefahren sind und dass das nicht eingespart wurde. Und natürlich die Konzerte und auch die Proben. Nervig war nur der Komponist, der die ganze Zeit reingequatscht hat.“ (Felix Jäkle, 12 – Familie Jäkle ist mit dem Auto gefahren, um einen "Berg" Noten und ein Cello nach Norwegen zu transportieren).
„Dass wir privat untergebracht wurden und dass die Orchester gemischt wurden, war super. Nächstes Mal wünschte ich mir einen längeren Aufenthalt in Oslo“( Nike Jäkle, 9).
„Alles schon gesagt. Da fällt mir noch was ein: toll war, dass ich ein riesiges Bett für mich alleine hatte“ (Emily Schreiber, 14).
„Die Gastfreundschaft und die überraschten Reaktionen auf das großartige Konzert der Stadtstreicher. Begeistert hat mich die witzige und unterhaltsame Darstellung der Geschichte der Stadt durch deren Schulen und Vereine. Das stiftet Identität. Ganz selbstverständlich wurden die Neubürger mit einbezogen – so etwas würde auch großartig zu Frankenthal passen“ (Marc-Oliver Schulz – Pastor in Frankenthal).
„Unser starker Zusammenhalt und die gute Atmosphäre auch gemeinsam mit den Osloern erklären einen großen Teil des Erfolges bei den Konzerten. Beeindruckend war für mich die unglaubliche Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit unserer Gastgeber. Den Blick, den wir über den kulturellen Tellerrand werfen durften - das war Bildung intensiv!“ (Cami Hotea-Schulz, Geigenlehrerin).
„In Erinnerung werde ich unser Konzert behalten – es klang über weite Passagen gar nicht nach einem Schüler-, sondern vielmehr nach einem Profiorchester. Beeindruckend war der harmonische Umgang miteinander - es haben sich alle, egal wie jung sie eigentlich sind, auf der Reise verantwortungsvoll verhalten. Ich bin dankbar für die Menschen, denen wir in Norwegen begegneten – die Willkommenskultur, die wir dort erleben durften, die Gastfreundschaft und Freundlichkeit. Die Beziehungen – wir werden sie ganz sicher weiter pflegen.“ (Jawor Domischljarski, Cellolehrer)